Die Diskussion um kommunikative Übersetzungen zeigt eines sehr deutlich: Es fehlt bisher an einer sachgemäßen Auseinandersetzung zu diesem Thema. Weder wurden die Positionen in einem der Öffentlichkeit zugänglichen Forum ausgetauscht noch gibt es eine grundlegende Untersuchung speziell zu diesem Thema.
Der Rückgriff auf verschiedene Theologen und Sprachwissenschaftler, die sich der einen oder anderen Richtung verpflichtet wissen, ersetzt nicht eine konstruktive Auseinandersetzung, in der beide Seiten nicht nur die Position der Gegenseite, sondern auch ihre eigene zur Diskussion stellen.
Eine Bibelübersetzung kann niemals als abgeschlossen betrachtet werden. Und keine Bibelübersetzung kann für sich in Anspruch nehmen, die einzig richtige zu sein. Es ist jedoch die Frage, ob klassische und kommunikative Übersetzungen als Alternativen betrachtet werden müssen: Was hindert den Leser, beide nebeneinander zu gebrauchen? Kommunikative Übersetzungen eignen sich hervorragend zum fortlaufenden Lesen und zum Verstehen, was gemeint ist. Sie können das Gemeinte unter Umständen besser sagen als klassische Übersetzungen. Wer sich über die Verwendung von biblischen Begriffen ein Bild machen möchte, greift eher zu einer klassischen, wörtlichen Übersetzung.
Die Loslösung vom Wortlaut und Satzbau des Ausgangstextes, wie sie die kommunikativen Übersetzungen handhaben, dient in erster Linie dem Verstehen des Textes. Der Verlag und die Übersetzer von "Hoffnung für alle" betrachten dies nicht als mangelnde Treue gegenüber dem biblischen Text. Vielmehr besteht darin gerade die Kunst einer guten Übersetzung: das zum Ausdruck zu bringen, was der Text meint.
Mit dieser Absicht entspricht die Arbeit an den Bibeltexten auch dem, was diese Texte wollen: Sie wollen verstanden werden und gestern, heute und morgen als Gottes Wort zu uns reden.
